Liebe als Bedürfnisbefriedigung: der Fallstrick der Erwartungen

Wenn wir an Liebe denken, sehnen wir uns oftmals danach unsere Einsamkeit zu beenden. Wir wünschen uns einen Partner, der uns Sicherheit gibt, der uns glücklich macht und der uns alle Bedürfnisse erfüllt, indem er uns jeglichen Wunsch von den Augen abliest.

Liebe wird häufig mit Befriedigung verwechselt

All das hat jedoch nichts mit Liebe im eigentlichen Sinne zu tun. Wer liebt, fragt nicht danach, ob er wiedergeliebt wird. Außerdem gibt ein Liebender gerne und wägt nicht ab, was er dafür zurückerhält. Es geht bei der Liebe nicht um einen Tauschhandel und ganz sicher geht es auch nicht darum, dass ein Partner für die Bedürfnisbefriedigung des anderen zuständig ist.

Der Wunsch nach Liebe, Treue, Leidenschaft und Sicherheit hingegen ist durchaus menschlich und somit auch für jeden nachvollziehbar. Wer jedoch glaubt, dass sein Partner für diese Bedürfnisbefriedigung verantwortlich ist, wird seine Beziehung sehr gefährden. Denn oft sind es genau diese Erwartungen an den Partner, die den Nährboden für Enttäuschung, Frust und Leid schaffen, wenn sie sich nicht rechtzeitig bewusst gemacht werden.

Kann ich auch ohne Partner glücklich sein?

Die Grundlage für ein glücklicheres Leben, und das gilt nicht nur für ein Leben zu zweit, bildet allem voran die Selbstliebe. Viele fürchten sich bekanntermaßen vor dem Allein-Sein, denn häufig wird Allein-Sein mit Einsamkeit verwechselt. Allerdings kommt man über kurz oder lang einfach gar nicht umhin, erst mit sich allein ins Reine zu kommen. Denn die Selbstliebe ist nicht nur Voraussetzung für ein glückliches Leben alleine, sondern auch für eine erfüllende Beziehung. Denn ohne sie ist man auch mit einer Partnerschaft nicht vollständig.

Das Gefühl sich selbst zu genügen, sich in seiner eigenen Gesellschaft rundum wohl zu fühlen, ist unglaublich wertvoll. Vor allem aber ist es die Basis für tatsächlich empfundenes Glück. Jemand, der mit sich selbst zufrieden ist, läuft nicht so schnell Gefahr, andere Menschen besitzen zu wollen. Ein sich selbst liebender Mensch ist nicht der Meinung, sein Glück erst in Abhängigkeit von anderen Menschen erreichen zu können, oder jemand anderen gar für die eigenen Bedürfnisse verantwortlich machen zu müssen.

Menschen, die darum wissen, dass ihr Wohlergehen nicht vom Wohlwollen anderer abhängt, übernehmen auch vermehrt wieder selbst die Verantwortung für die eigenen Gefühle – und zwar für die positiven und die negativen. Somit gewinnen sie erneut die Macht über das eigene Leben zurück, und machen die Erfahrung, dass nur man selbst etwas an unbefriedigenden Dingen oder Situationen ändern kann.   

Ist Selbstliebe die Voraussetzung für eine Beziehung?

Eine komplett ausbalancierte Selbstliebe ist ein sehr hohes Ziel im Leben und wird oft nicht schnell erreicht. Dementsprechend sollte sie auch nicht die absolute Voraussetzung für eine Beziehung sein. Viele Menschen lernen stattdessen auch über enttäuschende und komplizierte Beziehungen. Denn hier kann man unglaublich viel über sich selbst lernen. Die dadurch errungene Selbsterkenntnis wiederum führt dann zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein.

Die Falle, den Partner zur Bedürfnisbefriedigung missbrauchen zu wollen, birgt große Risiken für die Beziehung, aber auch für das eigene Selbst. Gleichzeitig können schmerzhafte Erfahrungen und Krisen jedoch auch immer Chancen sein, die zur Selbsterkenntnis und innerem Wachstum genutzt werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings ein rechtzeitiges Erkennen der eigenen Muster und eine bewusste Arbeit an den schädigenden Mechanismen.

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