Lieblosigkeit – Ursachen und Auswirkungen

Lieblosigkeit ist ein Verhalten, das lieblos ist. So steht es im Duden. Wenn Menschen lieblos sind, steht häufig eine lieblose Erziehung im Vordergrund. Was passiert, wenn Eltern ihren Kindern gegenüber lieblos sind? Wie reagieren der Körper und die Seele darauf? Was steckt tatsächlich hinter dem Wort? Die Lieblosigkeit kann im Erwachsenenalter traumatische Folgen haben.

Was Lieblosigkeit bedeutet

Der Duden geht sehr pragmatisch vor. Die Definition ist auf den Punkt gebracht: Es ist ein liebloses Verhalten. Psychologen definieren die Lieblosigkeit oft mit dem „Verkrusten des Herzens“. Menschen, die in ihrer Kindheit keine Liebe erfahren haben, handeln im späteren Leben häufig lieblos und durchaus berechnend. Berechnend deshalb, weil sie sich nur sehr schwer bis gar nicht in andere Menschen hineinversetzen können. Es fehlt an emotionaler und sozialer Intelligenz. Eine Fähigkeit des Menschen, sich nicht nur in die eigenen Fähigkeiten, sondern auch in fremde hineinzuversetzen, sie sogar zu verstehen und gegebenenfalls zu beeinflussen. Wird diese emotionale Intelligenz nicht schon von Kindesbeinen gefördert, kann es durchaus auch schwierig werden, beruflich Fuß zu fassen.

Einige Menschen sprechen schnell von Lieblosigkeit, wenn beispielsweise der Tisch nicht so schön gedeckt ist: „Der Tisch ist ziemlich lieblos dekoriert“. Dies ist eine subjektive Meinung. Was für den einen lieblos erscheint, ist für den anderen puristisch und klar. Deshalb ist die objektive Lieblosigkeit von der subjektiven klar zu trennen.

Lieblosigkeit bedeutet, dass die Wertschätzung gegenüber dem anderen Menschen fehlt. Oft fehlt sowohl der Respekt vor sich selbst als auch vor anderen Menschen. Es kann bis zur Verwahrlosung kommen.

Diese Ursachen können für die Lieblosigkeit sprechen

Müssen Kinder die Elternliebe entbehren, fehlt die Geborgenheit. Für das Kind ist es erst einmal normal, weil es nichts anderes im Leben kennengelernt hat. Doch die Folgen können im Laufe des Lebens schwerwiegend sein. Es fängt im Kindergarten an, geht in der Schule weiter und beruflich geht es nicht weiter. Die Welt wird erschüttert dargestellt, weil nach und nach den Betroffenen ersichtlich ist, was sie eventuell im Leben verpassen könnten. Die Entbehrung der Liebe kann Kinder fürs Leben traumatisieren. Der Urinstinkt, der besonders in den ersten Jahren so wichtig ist, kann nicht genügend oder gar nicht aufgebaut werden. Urinstinkt heißt, nicht nur dort Angst zu haben, wo sie sinnvoll ist oder instinktiv Luft zu holen, damit geatmet werden kann. Durch den Urinstinkt werden im Leben wichtige Entscheidungen getroffen. Es gibt ebenso soziale Instinkte, damit der Mensch sich eine Position in der Gesellschaft erarbeiten kann.

Grund dafür ist häufig die fehlende Elternliebe und dadurch die fehlende Erfahrung, mit Einsamkeit und Verlust gut umzugehen. Es fehlt die körperliche Nähe, die die Eltern nicht geben konnten, weil sie es selbst nicht erlebt haben oder aus anderen Gründen psychisch instabil sind. Gefühle werden nicht ausgetauscht, ebenso wenig die Gedanken. Es kommt zu Entwicklungsstörungen, wobei die eigene Person sehr zerbrechlich ist.

Diese Konsequenzen können sich aus der Lieblosigkeit ergeben

Grundsätzlich ist es eher nicht zu glauben, dass Eltern ihre Kinder nicht lieben können. Dies ist zwar nicht die Regel, doch es kommt häufiger vor, als erwartet. In einer immer schnelllebigeren, hektischen Zeit ist infolge von zunehmendem Alltagsstress, Leistungsdruck sowie Arbeitslosigkeit und Armut die Begegnung mit der Lieblosigkeit nicht untypisch. Kinder lernen von den Eltern, und was Eltern den Kindern vorleben, wird meist von den Kindern weitergeführt.

Psychisch werden Betroffene instabil und leiden häufig unter Persönlichkeitsstörungen oder unter Depressionen. Ängste können auftauchen, ebenso wie somatische Störungen. Das heißt, dass Kinder beispielsweise oft Bauchschmerzen haben, ohne organische Hintergründe. Im Erwachsenenalter werden die Betroffenen häufig krank, haben eine Rückenproblematik oder anderen Beschwerden.

Die Lieblosigkeit und die Auswirkungen

Lieblosigkeit kann auch zur Gleichgültigkeit führen. Es entwickeln sich im Laufe der Jahre Aggressionen, weil die Betroffenen zusehends unter Stress geraten und überfordert sind. Je nachdem, in welche Kreise die Betroffenen geraten, sind Gewalttätigkeiten und Konflikte mit dem Gesetz nicht auszuschließen.

Manche Menschen benötigen sehr viel Aufmerksamkeit, um ihre Lieblosigkeit zu kompensieren. Sie haben eine innere Leere, fühlen sich oft einsam und nagen an Selbstzweifel. Manche Menschen sind wiederum genau das Gegenteil und sind sehr arrogant und sehr anspruchsvoll – besonders anderen gegenüber.

Wege aus der Lieblosigkeit

Der erste Weg aus der Lieblosigkeit ist die Einsicht ein Problem zu haben. Leiden Menschen unter einer Persönlichkeitsstörung ist die Krankheitseinsicht nicht immer gegeben. Erst wenn der Leidensdruck sehr groß ist, fassen Betroffene den Entschluss etwas zu verändern. Der Weg dorthin ist nicht einfach, denn es ist oft mit Verständnis verbunden. Beispielsweise die Eltern verstehen, dass sie nicht anders handeln konnten, weil sie selbst keine Liebe erfahren haben. Selbst keine Liebe zu erfahren ist kein Grund anderen etwas Böses anzutun, doch das Verständnis kann helfen, unabhängig zu werden und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Dies kann durchaus durch Selbsterfahrungsseminare geschehen oder durch ein psychosoziales Training. Dieses Training kann durch einen Psychotherapeuten oder einem Psychiater erfolgen. Dort kann eine sogenannte soziale Kompetenz erlangt werden. Das Erlernen von sozialen Fertigkeiten und Verhaltensalternativen ist wichtig, um zwischenmenschliche Kontakte zu verbessern. So kann der Umgang mit anderen Menschen sicherer werden.

Nicht alle Menschen, die Lieblosigkeit erfahren haben, sind auch im späteren Leben lieblos, egoistisch oder verantwortungslos. Einige Menschen geben im späteren Leben besonders viel Liebe, weil sie selbst wissen, dass es weh tut, keine Liebe zu erfahren.

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