Was macht den wahren Charakter eines Menschen aus?

Den wahren Charakter eines Menschen definieren

Man sagt, der Charakter definiert sich durch unsere Handlungen bei denen wir meinen unbeobachtet zu sein. Ich finde dies ist ein erleuchtender Gedanke.

Die zwei Gesichter

Jeder von uns hat ein öffentliches und ein privates Gesicht.
Es gibt Einzelheiten von uns, die keiner erfahren soll. In der Regel neigen wir dazu, die Aspekte zu verbergen, die von der Gesellschaft als verwerflich und unerwünscht angesehen werden. Gier, Lust, Eifersucht, Kleinlichkeit, Überheblichkeit, Egoismus, Skrupellosigkeit, Angst und so weiter. Ebenso neigen wir dazu, unsere Schwächen zu verstecken. Niemand braucht zu wissen, dass wir eine ganze Familienpackung Eis innerhalb einer Stunde verschlingen können, stimmt’s?

Der versteckte Charakter

Ich denke, dass die meisten Menschen tief in ihrem inneren Kern „gut“ sind, anständig, liebevoll, mitfühlend und freundlich. Allerdings können auch diejenigen, die wir als gute Menschen wahrnehmen zu unglaublichen Taten fähig sein. Wie oft hat man schon gehört, dass ein Familienmitglied oder ein Freund eines verurteilten Mörders sagte: „Ich kann einfach nicht glauben, dass er so etwas tun konnte. Es steht so im Gegensatz zu ihm. „Der Mörder projizierte eine Identität in die Welt, während er insgeheim ein ganz anderer Mensch war.

Gewiss, die Meisten von uns sind zum Glück keine Mörder. Doch auch diejenigen von uns, die als „gute Menschen“ gelten, denken sich oft nichts dabei zu stehlen, ihren Partner zu hintergehen, oder noch Schlimmeres zu tun. Was sagt das über unseren Charakter aus? Gilt es nur dann als verwerflich, wenn wir dabei ertappt werden?

Wie oft hast du schon etwas getan, was du wahrscheinlich niemals getan hättest, wenn andere dabei gewesen wären und gesehen hätten, was du tust? Wäre es dir peinlich, wenn es an die Öffentlichkeit käme? Bist du deinen Impulsen nur gefolgt, weil du dir sicher warst, dass es keiner jemals herausfinden würde?

Ich habe in letzter Zeit über den Begriff „Sünde“ viel nachgedacht. Was ist Sünde genau? In der christlichen Religion bezieht sich die Sünde auf das, was Gott missfällt (oder entehrt). Die Zehn Gebote warnen uns vor Ehebruch, Diebstahl, Mord und weiteren Verirrungen. Angeblich wirst du in der Gunst Gottes bleiben, wenn du diese Anordnungen befolgst.

In manchen Weltreligionen gibt es nur ein Gebot, welches lautet: Schade niemandem; das grundsätzlich alle Gesichtspunkte in zwei Wörtern zusammenfasst. Tue nichts, was dir oder einem anderen Lebewesen Schaden zufügen könnte. Klingt hinreichend einfach, nicht wahr?

Was ist richtig oder falsch?

Dennoch gibt es innerhalb dieser beiden Beispiele Grauzonen, oder nicht? Manchmal ist es schwer zu sagen, was richtig oder falsch ist. Ist es Diebstahl, wenn wir Geld auf der Straße finden und es aufheben? Macht es einen Unterschied, ob es 5,00 € oder 500,00 € waren? Ist es falsch, wenn wir lügen, um die Gefühle anderer zu schützen? Ist es Diebstahl, wenn wir aus dem Büro ein paar Büroklammern mit nach Hause nehmen? Ist es für das Unternehmen wirklich ein „Schaden“? Ist es Betrug, wenn wir mit jemand anderem als unserem Partner flirten oder davon träumen? Oder ist nur der physische Akt des Geschlechtsverkehrs Betrug?

Wie können wir in Situationen wie diesen wissen, welches Verhalten richtig ist? Wie bringen wir Integrität mit unseren Impulsen und Begehrlichkeiten in Einklang? Ich denke, es kann hilfreich sein, unsere Motive und die möglichen Konsequenzen genauer zu betrachten. Was ist deine Absicht in der jeweiligen Situation? Was erhoffst du dir davon? Könnten deine Handlungen anderen oder dir selbst schaden? Wärst du damit einverstanden, wenn deine Handlungen öffentlich bekannt würden?

Vielleicht rollen einige von euch jetzt mit den Augen und denken: „Wo liegt das Problem? Ist doch nicht so tragisch, ein paar Kleinigkeiten von der Arbeit mitzunehmen, oder meine Frau zu hintergehen? Was sie nicht wissen, wird ihnen auch nicht schaden.“ Das mag wohl stimmen, aber schadet es dir nicht selbst auf lange Sicht? Beeinträchtigen jene Taten nicht die Art von Mensch, der du bist? Verdunkeln sie nicht dein inneres Licht? Wenn es stimmt, dass wir alle miteinander verbunden sind, ist es dann nicht auch wahr, dass weitere schädigende Machenschaften uns selbst Schaden zufügen? Durch Missachtung anderer missachten wir uns selbst und Gott.

Ich persönlich glaube nicht, dass Gott erzürnt und wertend wartend oben in den Wolken sitzt, um uns wegen unserer Sünden in die Abgründe der Hölle zu werfen. Ich glaube vielmehr, dass es einen letzten „Rückblick“ unseres Lebens geben wird, und wir für das was wir getan haben Rechenschaft ablegen müssen. Aber ich denke, wir werden unsere eigenen Richter sein. Im tiefsten Teil unseres Selbst wissen wir letztendlich Recht von Unrecht zu unterscheiden.

Der freie Wille – Fluch und Segen zugleich

Wir sind nicht vollkommen und niemand erwartet von uns, dass wir es sind. Wir alle machen Fehler und tun Dinge, über die wir uns später schämen. Wir sind schließlich alle nur Menschen. Aber einen Fehler zu machen und absichtlich etwas zu tun von dem wir wissen, dass es Unrecht ist, ist zweierlei. Wir können versuchen, uns manchmal selbst etwas vorzumachen und unser Handeln rechtfertigen. Vielleicht schenkt dir dein Mann keine Aufmerksamkeit, sodass du versuchst, dir selbst einzureden, dass es okay ist, eine Affäre mit einem Mann einzugehen, der dir die fehlende Zuwendung gibt. Oder dein Arbeitgeber gibt dir eine so miese Gehaltserhöhung, sodass du beschließt, dies wieder auf andere Weise wettzumachen, wie z. B. dem Stehlen von Betriebsmaterial oder Fälschen deiner Zeitnachweise. Man fordert es ein, richtig? Sicher steht es dir frei dies alles zu tun, und wohl niemand wird dich aufhalten. Unser größtes Geschenk im Leben ist der freie Wille. Leider ist er zugleich oft auch unser größter Fluch. Unser Handeln hat immer Auswirkungen, ganz gleich ob sie jetzt oder später eintreffen.

Der Charakter eines Menschen definiert sich durch sein Verhalten

Letztendlich ist es alles eine Frage der persönlichen Verantwortlichkeit. Wollen wir eine Person mit Charakter sein, oder nicht? Es spielt keine Rolle, ob wir ertappt werden oder nicht. Worauf es ankommt, ist, dass wir uns durch unser Handeln definieren. Wenn ich etwas, das mir nicht gehört nehme, bin ich ein Dieb. Wenn ich meinen Ehepartner betrüge, bin ich ein Ehebrecher. Wenn ich nicht erwischt werden möchte, sollte ich dies alles wohl lieber bleiben lassen. Es scheint, dass die Wahrheit für sich selbst spricht.

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Kommentare (1)

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  1. Christian Ohlrich sagt:

    Macht es einen Unterschied, ob ich gläubiger Christ oder Moslem bin?
    Glaub ich an nichts und Niemanden?
    Will ich ein guter Mensch sein oder nicht?
    Auf alle Fälle gefallen mir diese Gedanken.

    Danke
    und beste Grüße C.O.

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